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Aus dem Stofflexikon

Seide

Der Spruch aus Samt und Seide ist fast jedem bekannt. Damit meint man landläufig etwas Wertvolles. Kenner der Geschichte der Seide weisen darauf hin, dass Seide immer schon ein Luxusgut war und das seit mindesten 5.000 Jahren. Das Ursprungsland der Seide ist relativ verbürgt: China. China ist also nicht nur das Ursprungsland der Akupunktur und feinem Porzellan, sondern auch der Seide. Im Laufe der Zeit verbreitete sich dann über frühe Handelswege die Seidenherstellung nach Korea, Japan, Indien und Persien. Den Weltmarkt heute beherrschen, neben China, Indien und Japan, Thailand, und, man staune, Brasilien. Der größte Erzeuger und Exporteur ist aber China. Die Hochzeit der europäischen Seidenproduktion ist rund 300 Jahren her. Von den 100% erzeugten Fasern weltweit, ist nicht einmal 1% Seide.

Es ist faszinierend wie und vor allem wer die Seide produziert. Nein, nicht der Mensch, sondern Raupen, genauer gesagt, Seidenraupen. Und wie machen die das?

Die Seidenraupe hat an ihrem Kopf eine kleine Warze, eine besondere Drüse, aus der tritt eine flüssige Substanz. Kaum an der Luft wird sie zum festen Faden. Unaufhörlich fließt der Faden bis zu einer Länge von fast einem Kilometer! Über 300.000 mal windet die Raupe den Faden um ihren Körper, ohne Hände und Füße, einzig nur mit Kopf-Bewegungen und packt sich dabei praktisch selbst in Watte ein.

Dieses Gespinst nennt man  Kokon. Wenn man der Natur seinen Lauf ließe, krabbelt, nach circa 16 Tagen, ein Schmetterling daraus. Doch bei den Zuchtraupen bricht der Mensch an der Stelle den natürlichen Vorgang ab. Diese fast einen Kilometer lange Seide möchte er für sich nutzen. Und wie macht er das? Vereinfacht ausgedrückt, wickelt er, durch spezielle Verfahren, bei jedem Kokon den Faden behutsam ab.

Fast ein Kilometer Faden hört sich viel an, doch man muss bedenken, dass die Fäden hauchdünn sind. Für ein Kilogramm Seidenfaden benötigt man 12.000 Kokons! Es sei noch erwähnt, dass es, je nach Art, nicht nur weiße, sondern überdies gelbe und grüne Fäden gibt.

Die Bezeichnungen und Qualitäten der Seide werden durch ihren Ursprung und Herstellungsverfahren festgelegt. Aber auch danach, was die Raupe in ihrem Leben gefressen hat: ob es die Blätter eines Maulbeerbaumes oder Eichenblätter waren. Im Rahmen dieses Artikels ist es unmöglich, auf alle Qualitätsunterschiede einzugehen. Wer sich für weitere Einzelheiten interessiert, findet im Netz umfangreiche Informationen.

Hier noch ein paar Superlative zur Seide:

      -        Ein Seil aus Seide ist kräftiger als eins aus Metall.

      -        Der Faden eines oben beschriebenen Kokons hat im Schnitt einen Durchmesser von 1 millionstel Meter.

      -        Die kleine Seidenraupe spinnt in der Minute 15 Meter Faden.

Es gäbe mehr Bewundernswertes zu berichten, aber dass sollte genügen, um über die Seide und ihre biologischen Hersteller zu staunen.

Wer das alles über die aufwendige Zucht und Produktion der Seide weiß, kann nachvollziehen, warum sie kostbar ist und ihren Preis hat.

Jetzt zu den Seidenstoffen und ihre Verwendung: Bekannt ist, dass die Seide dezent glänzt. Das sie über 50% Wasser aufnehmen kann und sich dennoch nicht feucht anfühlt. Im Sommer kühlt sie und im Winter wärm sie. Klingt paradox, doch da Seide temperaturausgleichend ist, funktioniert das ausgezeichnet. Für Füllungen von Kopfkissen und Bettdecken wird auch Seide genommen. Nicht nur wegen der eben erwähnten Eigenschaften, sondern auch, weil sie federleicht und behaglich weich ist. Die Klassiker für die Verwendung von Seide ist die Wäsche für die Nacht. Allerdings, Dessous und Unterwäsche aus reiner Seide, sind nur noch in Luxus-Segmenten zu finden. Ansonsten ist die Wäsche eher aus anderen Stoffen, mit Seiden-Beimischungen. Allerdings für Babys und Kleinkinder ist Unterwäsche aus Seide gefragt. Wie schon erwähnt, ist Seide temperaturausgleichend und ist aufgrund ihrer Stoffeigenschaft bestens geeignet für die zarte Kinderhaut. Vor allen bei massiven Hautproblem, wie bei Schuppenflechte, ist diese Wäsche gut fürs Kind.

Seide ist kostbar, edel, aber nicht leicht zu pflegen. Will man lange was von ihr haben, sollte man unbedingt einige Regeln beachten. Zum Beispiel:

      -        Seide imponiert auch so, also niemals mit Parfüm oder einem Deodorant besprühen, um sie aufzupeppen.

      -        Keine Bleichmittel, die bekommt der Seide nicht.

      -        Keine direkte Sonne beim Trocknen

      -        Nicht auswringen.

      -        Einzelne Flecken  nicht mit Wasser behandeln.

      -        Gebügelt wird nur die Rückseite und beim Bügeln nicht mit Wasser besprühen

Grundsätzlich kommt es natürlich auf die Art der Seide an. Ist es dunkle oder bedruckte Seide? Oder vermutlich Seide mit Beimischungen; da kann die Pflege schon völlig anders aussehen. Doch wer Seide kauft, bekommt in der Regel eine passende Pflegeanleitung, und daran muss sich der Käufer halten, wenn ihm seine Seide lieb ist.